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Integration beginnt nicht erst in der Schule


Wir danken der Familie Niggli für die Bereitschaft, den Bericht über die schulische Integration von Ursina auf unserer Webseite zu veröffentlichen.

Vorschulzeit

Ursina wurde am 7. August 1991 geboren. Bereits als sie noch ganz klein war, versuchten wir, sie soviel wie möglich mit anderen Kindern ihres Alters an unserem Wohnort Sils im Engadin spielen zu lassen. Der erste Schritt einer erfolgreichen schulischen Integration beginnt unseres Erachtens nämlich bereits in diesem Alter.

Im August 1996 konnte Ursina zusammen mit ihren Freundinnen und Freunden in den Kindergarten eintreten. Dies war dank der spontanen Zusage des Kindergärtners möglich. Zudem übernahmen die Gemeinde Sils und der Kanton Graubünden die Kosten einer Hilfskraft. Wir haben davon Gebrauch gemacht, und somit konnte eine Hausfrau Ursina stundenweise im Kindergarten begleiten und den Kindergärtner entlasten.

Schon bald stellte sich heraus, dass Ursina problemlos das Kindergartenpensum von 6-8 Halbtagen die Woche durchhielt, und dass sie keine Last, sondern eine Bereicherung für Kindergärtner und Mitschüler war. Das will nicht heissen, dass alles reibungslos ablief, aber die Hindernisse und Problemchen waren nicht viel grösser als bei den anderen Kindern. Sogar den Schulweg meisterte sie immer mehr auch alleine.

Nach zwei Kindergartenjahren sollte Ursina eingeschult werden. Das vom Kanton in Aussicht gestellte und im Juni 1998 verabschiedete Konzept zur Integration von Kindern mit Behinderungen in das bündnerische Schulsystem, sowie der Vorteil der kleineren Gruppe im folgenden Jahrgang (alles Kinder die Ursina vom Kindergarten her ebenfalls kannte) hatte uns dazu bewogen, Ursina ein Jahr länger in den Kindergarten gehen zu lassen. Dieses Jahr haben wir genutzt, um zusammen mit dem Schulpsychologen die integrative Schulung von Ursina in der Regelklasse der Dorfschule von Sils im Engadin vorzubereiten. Viele Gespräche mit Behörden und Lehrern waren nötig, unter anderem mit den Schul- und Gemeinderäten von Sils, der Lehrerschaft von Sils, dem kantonalen Schulinspektor und den Eltern der Mitschüler von Ursina. Als diese Gespräche durchwegs positiv verlaufen waren und bestehende Zweifel und Ängste abgebaut werden konnten, ging es daran, mit der Trägerschaft, die für mögliche Schulintegration im Raum Oberengadin zuständig sind, Kontakt aufzunehmen. Das Zentrum für Sonderpädagogik Giuvaulta in Rothenbrunnen war sehr an einem integrativen Schulversuch interessiert, konnte uns aber wegen der zu grossen räumlichen Distanz keine Lehrkraft aus dem Zentrum zur Verfügung stellen. Somit wurde die Teilzeitstelle im Engadin ausgeschrieben und glücklicherweise liess sich eine qualifizierte Heilpädagogin aus der Region für diese Aufgabe gewinnen.

Schulzeit

Im August 1999 war es dann soweit. Der erste Schultag von Ursina in der Dorfschule von Sils! Wie stolz sie war, als sie mit ihren 5 Mitschüler/innen und mit ihrem neuen Schulsack in die 1. Klasse zu ihrem Lehrer durfte. Auch für die Mitschüler/innen war die Integration von Ursina in ihrer Klasse eine Selbstverständlichkeit und da sie sich nichts anderes gewohnt waren, wurde sie bis heute auch nie in Frage gestellt.

Mittlerweile geht Ursina in die 2.Klasse. Das Wochenpensum von 24 Lektionen (die anderen gehen 26 Lektionen zur Schule) bewältigt sie ohne Probleme. Die Heilpädagogin begleitet Ursina während 12 Lektionen in den Fächern Sprache und Mathematik. Die restlichen Fächer absolviert sie beim Regelklassenlehrer oder bei der Handarbeits-, der Musik- oder der Religionslehrerin. Nach Aussage all dieser Lehrkräfte ist der nicht begleitete Unterricht von Ursina eine Aufgabe, die mit akzeptablem oder sogar unerheblichem Mehraufwand gelöst werden kann. Zusätzliche Therapien wie Ergo- oder Logopädie hat Ursina zur Zeit keine, vor allem weil wir gemerkt haben, dass der Kontakt mit den Mitschülern die beste Therapie für sie ist.

Ausblick

Sofern die Invalidenversicherung, die einen erheblichen Teil der anfallenden Kosten der heilpädagogischen Begleitung trägt, weiterhin mitmacht, ist eine Fortführung der integrativen Schulung von Ursina bis Ende der 4.Klasse vorgesehen. Ob sie auch noch in der 5. und 6. Klasse in Sils in die Schule gehen kann, oder ob eine Mischform mit einer Sonderschule realisiert werden muss, ist noch offen. Solange es Ursina in der Regelklasse psychisch so gut geht wie bis anhin und sie von den Mitschülern akzeptiert wird, tendieren wir als Eltern natürlich auf eine Fortführung der Integration. Auf alle Fälle sind wir für jeden Schultag, den Ursina im Dorf absolvieren darf, dankbar. In den peripheren Lagen der Schweiz sind Sonderschulen nämlich sehr weit entfernt und oft sind nur interne Schulungsformen möglich.

Unsere Erfahrungen mit der Integration in der Regelschule sind durchwegs positiv und wir möchten allen Eltern mit vorschulpflichtigen DS-Kindern Mut machen, eine Integration ins Auge zu fassen. Dieser Schritt ist aber um einiges leichter, wenn die behinderten Kinder ihre zukünftigen Mitschüler/innen und Lehrpersonen (und umgekehrt) bereits vor dem Schuleintritt kennen lernen.

Dankeschön

Wir möchten die Gelegenheit nutzen um an dieser Stelle allen Beteiligten, die unserer Ursina glückliche und sorgenfreie Schultage in der Dorfschule von Sils im Engadin ermöglicht haben und weiterhin ermöglichen werden, zu danken. Im speziellen namentlich danken möchten wir

    Daniel Manzoni, dem Kindergärtner und Wegbereiter
    Roman Pünchera, dem Regelklassenlehrer
    Rita Heri Degiacomi, der Heilpädagogin und
    Winfried Egeler, dem Schulpsychologen

Februar 2001,
Die Eltern von Ursina:
Ursula und Filip Niggli

Franziska
Diese Seite wurde letztmals geändert am 25.03.2008