Um mit dem frühen Lesen beginnen zu können, wird mit den Kindern zuerst das
differenzierte optische Unterscheiden und das Ausführen von Anweisungen wie "gib", "zeige", "nimm" etc. geübt, und zwar anhand normaler Bilder-Lottos. Später wird dann, je nach gewählter Methode, mit Wort-Bild-Karten oder nur mit Wortkarten gearbeitet.
Sehr wichtig ist allen Autoren, dass die Kinder keine Möglichkeit haben, Fehler zumachen, d.h. dass in ganz kleinen Schritten geführt und gelernt wird.
Natürlich können die Kinder zu Beginn die Übungswörter nicht erlesen, sondern sie erkennen sie als ganze Wörter. Das Ziel ist noch nicht das Lesen an sich, sondern die Unterstützung des Sprechenlernens. Die berichteten Erfahrungen zeigen deutlich, dass die Kinder die durch das Lesen gelernte Worte recht bald in ihre Spontansprache übernehmen und auch 2- und 3-Wort-Sätze oder korrekte grammatikalische Strukturen zunehmend spontan und richtig anwenden können.
Erst wenn ein relativ grosser Grundwortschatz erworben wurde, beginnt man mit dem Hinweisen auf Buchstaben und Silben, so dass langsam ein Übergang zum eigentlichen Lesen stattfindet. Dieses wird dann oft in der Schule gelehrt, wohingegen das frühe Lesen oft von den Eltern vermittelt wird.
Eltern - vor allem immer noch die Mütter - die sich für diese Fördermethode interessieren, sollten sich im Klaren sein, dass Frühleseprogramme sich über eine lange Zeitspanne erstrecken werden und ein differenziertes und planvolles Arbeiten verlangen. Diese Zeit ist vielleicht nicht in jeder Familie frei zu machen. Wenn aber die Motivation und die Freude an einem solchen Programm bei allen Beteiligten gross ist, lohnt sich ein solcher Einsatz.
Quelle: Etta Wilken "Sprachförderung bei Kindern mit Down-Syndrom
siehe auch: Beata Beer. Frühes Lesenlernen als Sprachförderung. In: aktuell 21. 1/2007. sprechen lernen.