
Gerufen werde ich Spatz, Schlitzohr oder Trulla, aber richtig heisse ich Cherelle. Ich bin am 22. Juli 02 geboren. Ich habe meine Eltern ganz schön auf Trab gehalten, aber das erzählt euch besser meine Mami.
Bis zu dem Tag als Cherelle geboren wurde hatten wir noch keine Ahnung, dass Cherelle das Down Syndrom hat. An den Tag an dem Cherelle das Licht der Welt erblickt hat, hat uns der Kinderarzt gleich darauf aufmerksam gemacht, dass er den Verdacht hätte, dass Cherelle das Down Syndrom hat.

Das schlimmste für uns als Eltern war in dem Moment nicht, dass sie das Down Syndrom haben könnte, sondern dass Cherelle auf Grund dessen, dass sie Sauerstoffmangel hatte, nur ca. eine halbe Stunde bei uns in den Armen bleiben konnte. Die Ungewissheit und die Ängste waren das schlimmste. Cherelle wurde in ein anderes Krankenhaus gebracht, wo eine Neonatologie vorhanden war. Am nächsten Tag konnte ich in das gleiche Spital gebracht werden. Als wir sie sahen, waren Freude und Trauer so nahe: Freude, sie endlich in den Arm schliessen zu können und bei ihr zu sein, und Trauer, ihr nicht helfen zu können und sie so hilflos an den vielen Apparaten und Schläuchen zu sehen. Die Arzte haben nach zahlreichen Untersuchungen festgestellt, das Cherelle einen leichte Herzfehler hat (offener Ductus). Die Blutuntersuchung hat den Verdacht bestätigt, das Cherelle das Down Syndrom hat. Ich habe mich auf die Suche gemacht nach Büchern, wo ich mir Informationen holen wollte, leider waren diese alle sehr negativ beschrieben, so dass ich nicht lange darin gelesen habe und ich sie dann entsorgt habe. Wir haben uns gesagt, dass wir das Leben so leben wie es kommt. Wir haben Cherelle von Anfang an in unser Herz geschlossen und sie so akzeptiert wie sie ist. Nach zwei Wochen durften wir Cherelle dann endlich nachhause nehmen, es war einer der schönsten Tage für uns. Wir geniessen jede Minute mit ihr. Sie war schon dann unser kleiner Sonnenschein, denn egal, was wir mit ihr machten, sie war immer zufrieden.

Als Cherelle dann ein Jahr alt war, stand die bevorstehende Herz OP an. Cherelle hat diese ohne Komplikationen überstanden und durfte das Kispi in Zürich nach 2 Tagen wieder verlassen. Sie hat uns dort schon gezeigt, dass sie ein ganz tapferes Mädchen ist.
Cherelle fing mit 18 Monaten an zu laufen, und von dem Tag an fing sie an uns in jeder Minute, die wir ihr keine Beachtung schenkten, davon zu laufen. Cherelle entwickelte daraus ein für sie sehr lustiges Spiel. Sie hat sehr schnell begriffen wie sie mit ihrer charmanten und lieben Art uns alle um den Finger wickeln kann.

Die Interessen von ihr sind sehr stark auf die Musik und Fotos bezogen von je her. Sie kann stundenlang ihre Fotos anschauen, von Tag zu Tag, es verleidet ihr nie.
Als Cherelle vier Jahre alt wurde haben wir uns entschlossen, sie in den Heilpädagogischen Kindergarten zu geben. Sie ging mit viel Freude und ihr Interesse an den Spielkameraden war sehr gross. Cherelle liebt den Umgang mit den anderen Kindern.

Seit dem Sommer 08 besucht Cherelle die 1. Klasse in der HPS in Hohenrain. Sie geht sehr gerne, es ist unglaublich, welche Fortschritte sie gemacht hat, in der Sprachbildung sowie in der Selbstständigkeit. Das macht uns natürlich sehr stolz. Unser Ziel ist es, Cherelle zu integrieren oder eine Teilintegration zu machen. Wir selber sehen Cherelle nicht als behindert an, denn sie kann laufen, sprechen, und das Leben auf ihre Art und Weise selber erkunden.
Cherelle trägt einige Spitalaufenthalte in ihrem Rucksack. Wir haben uns entschieden, nach diversen Anginas und Ohrenentzündungen ihr die Mandeln zu entfernen und in die Ohren ein Paukenröhrli hinein zu machen. Es war gut, dass dies gemacht wurde. Cherelle hat einfach noch während den Wintermonaten immer eine laufende Nase, aber auch dies werden wir bestimmt noch in den Griff bekommen. Seit Mai 09 benötig Cherelle auf Grund ihrer Weitsichtigkeit und ihrer Hornhautverkrümmung eine Brille. Sie selber war sehr begeistert davon, auch eine Brille haben zu dürfen wie Mami und Papi.

Zudem musste es unbedingt eine Brille von Fielmann sein, da ihr die Werbung von dem so gut gefällt. Cherelle hat trotz ihrer vielen Spitalaufenthalte immer gezeigt, wie tapfer und stark sie ist. Selbst wenn wir uns Sorgen machten oder wir traurig waren, hat sie dies immer wieder gemerkt und uns mit ihrer Art wieder zum Strahlen gebracht und uns so wieder neue Kraft gegeben. Es vergeht kein Tag an dem sie nicht irgendwelchen Unsinn und Flausen im Kopf hat, und sie uns immer wieder mit ihrer lustigen Art zum lachen bring. Wir möchten keinen Tag mehr ohne sie missen wollen. Wir haben Cherelle unendlich lieb und sind ihr dankbar für das, was sie uns gibt.
Juni 2009
Stephanie Gloor