"Wer bin ich"? Diese Frage gehört zum Menschsein und begleitet uns das ganze Leben lang. "Ich bin ein schöner, grundgescheiter und gerade richtig dicker Mann in meinen besten Jahren". Ein solch bemerkenswert ungetrübtes Selbstbild wie Karlsson vom Dach (Astrid Lindgren) es hat, besitzen wohl die wenigsten unter uns. Wer ist nicht immer wieder seiner selbst unsicher und macht sich ans Messen, Vergleichen und Bewerten? Gutes Aussehen, Cleverness, imposante Güter, sichtbarer Erfolg, repräsentable Freunde sind dabei gängige Trümpfe. Wer sie hat und gekonnt ausspielt, ist "Winner". Der "Looser" steht klein daneben, wie es so passend im Lied heisst.
Menschen mit Down-Syndrom gehören meistens nicht zu denen, welche viele Trümpfe in der Hand halten. Einige wissen es, viele ahnen es, aber alle erleben es immer wieder in ihrem Alltag. Sie gehören auch nicht zu denen, die "sich verkaufen" können, wie man so sagt. Entsprechend die Reaktionen vieler Mitmenschen: Deren Blicke und Verhalten signalisieren immer wieder: "Du gehörst für uns nicht zu den Wichtigen in dieser Welt." Das ist hart.
Beim Lesen der Berichte, die zum Thema "Selbstbild" zusammengekommen sind, ist in mir grosser Respekt vor diesen Menschen gewachsen. Denn sie gehen ihren Weg sozusagen mit Gegenwind und schwerem Rucksack und haben sich trotzdem Lebensmut und positives Denken bewahrt oder ... erarbeitet? Das zeugt in meinen Augen von grosser innerer Kraft und Tapferkeit.
Bei diesen Berichten geht es nicht darum, aus Neugier das Selbstbild anderer zu betrachten. Sondern der Einblick soll uns helfen, sie begleiten und für ihren besonderen Weg besser stärken zu können.
Freundliche Grüsse
Beata Beer