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Liebe Leserin, lieber Leser
Wieder steht Weihnachten vor der Tür. Haben Sie schon die Ferien geplant, die Wohnung dekoriert, die Guetzli gebacken, die Grosseltern eingeladen, die Karten verschickt, mit den Kindern gebastelt, die Geschenke gekauft, das Menü geplant, das Haus geputzt, den Christbaum herbeigeschleppt, den Hund gebadet? Uff.
Oh, du stille Zeit, kommst, eh wir's gedacht... Stimmt. Dort, wo ich einkaufe, fängt die «stille Zeit» schon im Oktober an. Dann habe ich gerade mal gemerkt, dass jetzt Herbst ist (ohälätz, schon!). Und dass die Bäume so wunderschön leuchten wie nie zuvor.
Doch genug gejammert. Nehmen wir uns lieber ein Vorbild an unseren Kindern. Nun ja, wenigstens ein Stück weit. Denn die stecken noch nicht im Zeitplan wie das Brät in der Wurst. Sie haben dazu ein lockeres Verhältnis. Besonders Kinder mit Trisomie 21. Meine Tochter zieht sich am Morgen mit Weile an. Kaut das Knäckebrot bedächtig und genüsslich. Läuft langsam zum Bus. Hat Zeit, sich über jede Schnecke zu entrüsten. Zeit, jede Wolke zu betrachten. Und Zeit, sich an all den Häusern zu freuen, die innen bestimmt schöne Badewannen und WC-Schüsseln haben. Sehr wichtig.
Manchmal treibt mich ihre Langsamkeit auf die Palme. Dann schiebe und ziehe ich, stöhne, dränge, oder erledige die Aufgabe selber. Und schäme mich nachher für meine Ungeduld, denn eigentlich hat sie ja recht.
Der Spagat zwischen Vorwärtskommen und Gelassenheit ist manchmal schwierig. Damit wären wir auch schon bei der Erziehung. Zu diesem Thema liegt der Artikel «Erlernte Hilflosigkeit» auf Seite 27 für Sie bereit.
Natürlich müssen wir unsere Kindern lehren, auf die Zeit zu achten. Und wenn Sie oder ich zu lange in die Wolken schauen, hagelt es bald Probleme. Und es erscheint kein «aktuell21» mit interessanten Berichten darin (herzliches Dankeschön an alle, die sich Zeit zum Schreiben genommen haben!). Auch gibt es keine selbergemachten Zimtsterne an Heiligabend.
Doch ab und zu sollten wir uns ein bisschen Trisomie 21-Zeitlosigkeit abschauen, damit wir Raum für die wirklich wichtigen Dinge im Leben haben. Denn um diese geht es an Weihnachten ja schlussendlich.
Ich wünsche Ihnen von Herzen eine «fröhliche, selige Weihnachtszeit!»
Viele freundliche Grüsse
Beata Beer