Liebe Leserin, lieber Leser
Das Thema "essen" ist ein weites Feld. Die Meinungen darüber, was, wo, wie, wann und wie viel davon gegessen werden sollte, variieren himmelweit in den verschiedenen Kulturen, Ländern und sogar innerhalb der Familie. Oder sind Ihre Kinder der gleichen Auffassung wie Sie, was zum Beispiel das Auftischen von Kohlgemüse betrifft?
Essen ist mehr als nur die Zufuhr von Nährstoffen. "Er ist, was er isst", weiss ein Sprichwort. Das ist etwas übertrieben. Aber ohne Zweifel ist die Art des Essens ein Teil unserer Identität. Darum sind eingefleischte Essgewohnheiten auch so schwer zu ändern.
Was das Essen betrifft, ist die Position als gewissenhafte Familienfrau oder -mann anspruchsvoll (und manchmal geradezu entmutigend):
Natürlich wollen wir der Familie Bestes und dazu gehört eine gesunde Ernährung. Das ist aber gar nicht so einfach anzupacken, denn was ist denn nun gesund? Auf diesem Gebiet gibt es einen wahren Dschungel an Theorien. (Als Laie bin ich darüber sehr verwirrt und bleibe wahrscheinlich zwischen völlig gegensätzlichen Eiweissempfehlungen und Kohlehydratmengen erschöpft auf der Strecke.) Habe ich mich dann endlich zu einer eigenen Meinung durchgerungen und lasse Taten folgen, begebe ich mich auf steiniges Gelände: Das Einführen neuer, gesunder Gerichte stösst bei der Familie selten auf Begeisterung. Die Vollkorn-Spaghetti schmecken angeblich nach Seife und Linsen sollte es niiee mehr!! geben. Am einfachsten wäre es, resigniert zu Weissbrot, Frites und Chickennuggets Zuflucht zu nehmen.
Nun ist es aber so, dass Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität sehr eng mit dem Essen zusammenhängen. Gerade auch bei Menschen mit Down-Syndrom, die offenbar mehr als andere zu Übergewicht neigen. Darum sollten wir das Thema "gesund essen" nicht einfach über Bord kippen nach dem Motto "alles oder nichts". Wie wäre es stattdessen mit der bewährten Art der "kleinen Schritte"? Im Stil von: Jetzt eine Banane anstelle des Schokoladestengels, Apfelsaft statt Sirup, Vollkornbrot als Ersatz von Ruchbrot. So kann schon viel erreicht werden.
In diesem Heft geht es aber nicht nur um die gesunde Ernährung, sondern z.B. auch um Förderung von Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit in Sachen Ernährung. Und Einblicke in andere Familien können Anregungen geben: Wie wird "essen" dort gelebt?
Wir wünschen Ihnen Spass beim Lesen und grüssen freundlich
Beata Beer